Mittwoch, 4. Dezember 2013

Ich, auf der Suche nach Weihnachten! #1

Zum Sonntag bleibt nicht viel zu sagen. Es gab weder einen Adventskerze noch Dekoration im Haus?! Das ist für einen Deutschen natürlich unglaublich… Aber das hat man davon, wenn man nach Frankreich abhaut. Ich werde mich damit arrangieren müssen. Ich habe mich nicht auch die Suche nach Weihnachten gemacht, wie ich es Euch sagte. Aber dafür später. Was war ich froh, am ersten Dezember, den Adventskalender wenigstens öffnen zu können! J

Montagmorgen wussten wir schon, dass wir nur zu 5 Unterricht haben würden. Und zwar zwei Stunden lang. Eine davon Französisch und eine Mathe. In Französisch spielten wir ‚Mix mots’, was so viel wie ‚gemischte Worte’ heißt. Ein Spiel, ähnlich wie Scrabble, bei dem es eine gewisse Anzahl Spielsteine, mit je einem Buchstaben drauf, gibt. Ziel des Spieles ist es, ein Wortgitter zu erstellen und dabei alle Spielsteine zu verwenden. Natürlich auf Französisch, das macht es für mich interessanter. Um das ganze nicht zu einfach zu machen, gibt es noch einige Regeln. Erstens: Man beginnt mit sechs Steinen, wenn einer alle verbaut hat, sagt er ‚mix mots’ und alle Spieler nehmen zwei neue Buchstaben hinzu. Und es geht so weiter, bis einer am Ende alle Buchstaben in seinem Gitter untergebracht hat. Also, wer es noch nicht verstanden hat, alle spielen gleichzeitig. Regel Nummer zwei sind die Joker, die man für jeden Buchstaben einsetzen kann! Und die dritte Schwierigkeit besteht darin, dass es einen Spielstein gibt, der die Buchstaben k, w, x, y, z beinhaltet. Das besondere an ihm ist, dass der, der ihn zieht, dann gleich ein Themengebiet sagen muss, aus welchem jeder dann auch wenigstens ein Wort im Gitter haben muss. In der ersten Runde hatte ich diesen Stein und schon, dank des Lehrers, ein sehr komplexes Wort für ein Getränk. Das heißt im Endeffekt, habe ich die erste Runde, mit etwas Unterstützung sogar gewonnen. Die zweite nicht, aber die dritte wieder. Und da war die Unterstützung nur ganz gering. Und zwar ging es drum, dass man einen Notennamen im Gitter haben muss. Das Problem an der Sache ist, dass die Noten in Frankreich anders heißen, als in Deutschland. Mi, Re, Do, Sol… Ja, das ist schon ein komisches System. Aber zwei von sechs Runden gegen vier Franzosen zu gewinnen, ist doch schon eine Leistung oder?
Darauf folgte dann eine Stunde Mathe, in der wir ein paar einfache Aufgaben in Gruppen lösten. Das bessere war dann jedoch, dass wir drei Freistunden hatten, die direkt auf Mathe folgten. Die erste verbrachte ich mit Cloé. Wir machten die SES Hausaufgaben und ich half ihr bei Deutsch, nebenbei habe ich sogar noch Fehler auf dem Arbeitsblatt gefunden. :o
Als die Stunde um war, die anderen 4 hatten grade Französisch, sind wir mit dem Bus in die Stadt gefahren und haben bei McDonalds zu Mittag gegessen. Das war vielleicht mal lustig! Hugo, Alexis, Chloé, Cloé, Stacy, Emelie und ich. Hugo hat freundlicherweise für mich bestellt, weil mir die Frau zu schnell und zu undeutlich gesprochen hat, noch dazu sprach sie mich erstmal volle Kanne mit ‚Bonjour Madame’ an. Ihr Glück, dass sie sich direkt danach korrigierte. ;-)
Das Essen an sich, also Pommes Frites und die Burger, schmecken besser als in Deutschland, muss ich sagen. Aber das Eis nicht. Übrigens gibt es dort einen WC-Code. Also ein Code den man zum Auf-Toilette-Gehen eingeben muss. Sonst kommt man nicht rein. Es gibt auch Automaten, an denen man bestellen kann, wenn man keine Lust auf die Bedienung hat, die Jungs ‚Madame’ nennt. ;-)
Weiter ging es mit einer Stunde Physik, er hat natürlich seinen Unterricht fortgesetzt, das ist etwas doof, weil er wirklich der einzige Lehrer ist, der das macht. Darauf hatten wir wieder eine Freistunde, in der Cloé mir dann für meine Geschichtsaufgabe für Frankreich half, da sich das ohne Buch immer etwas schwierig gestaltet. Aber selbst sie wusste nicht alles. Also werde ich noch etwas recherchieren müssen. Fortgesetzt wurde mit Englisch, wo wir uns weiterhin über New York unterhielten. Die Lehrerin korrigierte eine meiner Fragen, die wir aufstellen sollten, weil sie ihr zu kompliziert war… Das ist doch mal eine Begründung oder?
Nun ja, der Tag klang mit SES aus. Wir machten mal eine Stunde zur Soziologie und er befragte irgendwann die Schüler, mit was sie denn weiter machen wollen, nach der Seconde. Es gibt ja die Richtungen Sciènces (S- Naturwissenschaften), Sciènces Economiques (S.E- Wirtschaft/Sozialkunde) oder Littératur (L- Literatur). Also ging es dann der Reihe nach, S, SE, S, L usw. bis er bei mir ankam, ich sagte, ich sei mir nicht sicher. Darauf erwiderte er, dass er das spanische Schulsystem nicht kenne und denke aber, dass es ähnlich sei mit der Spezialisierung. Ich guckte ihn etwas entsetzt an und sagte: Tut mir Leid, aber vom spanischen Schulsystem habe ich auch keine Ahnung. Das war vielleicht ein Lacher. Also ging der Tag lachend zu Ende. Zu Hause passierte nichts Spannendes mehr.

Der Dienstag ging mit Mathe los, wo sie wieder der Meinung war, sie müsse uns rechnen lassen. Laaaaaangweilig! Aber nun ja, wenn der Lehrer etwas will und so… Zum Glück folgten zwei Stunden Französisch, in denen wir wieder spielten. Diesmal ein Spiel ähnlich dem deutschen Tabu. Bloß, dass wir das Spiel vorher selbst erarbeiteten. Sprich, jeder hat 16 kleine Zettelchen mit je zwei Worten pro Kategorie beschrieben. Es gab vom Alltagsgegenstand über die erfundene Person zum Tier acht Kategorien. Wir wurden in zwei Gruppen geteilt zum Spielen. Der Lehrer war in unserer, wegen mir. Deshalb sahen die Gruppennamen so aus: ‚Eux’ und ‚Nous’, also ‚die’ und ‚wir’. Begonnen haben wir einfach, also alle Worte durften verwendet werden, außer dem Wort an sich. Jede Gruppe durfte so viele Antworten, wie sie wollten geben, um die richtige zu finden. Das war etwas unfair, da die anderen ständig ‚Sarkozy’ oder ‚Hollande’ hatten, was dazu führt, dass mit dem Wort Präsident die zwei Namen kamen und ein Punkt an die anderen ging. Die Runde zwei war schon schwerer, man durfte nur ein Wort verwenden! Und Runde drei war dann nur noch Pantomime! Das war wieder machbar! Letztlich haben wir verloren, aber nicht so hoch, wie anfänglich erwartet, bei der Pantomime haben wir aufgeholt!
Die Mathestunde ging zum Glück auch vorbei, sodass wir essen gehen konnten. Englisch fiel aus, da alle Englischlehrer von irgendwelchen Menschen geprüft wurden, warum auch immer und in der Stunde drauf hatten wir statt, Geo, was ja ausfällt. Deutsch Literatur. Ich habe an meinem Text gearbeitet und mir die Konjugation zum Passé simple aufgeschrieben und Alexis ist mit Frau Olivier seine Sätze durchgegangen. Als wir fertig waren, machten wir etwas zusammen. Alexi machte aus einem deutschen Stichpunkt zu Lyonel Feiniger einen deutschen Satz und ich den entsprechenden französischen im passé simple. Das ist eine Übung, die wir zusammen machen können und die uns beiden hilft.
Die Stunde darauf bin ich Madame Olivier in die 1ère ABI gefolgt. Die sprechen sehr gut Deutsch, man hört trotzdem diesen unverkennbaren französischen Dialekt raus, wobei es schwerer ist, ihn zu vernehmen, als in anderen Klassen. Danach war mein Tag zu Ende und ich konnte Heim.

Am Mittwoch, also heute, fingen wir wieder mit einer Stunde Französisch an, in der wir ‚Time’s up’ spielten. Ergo das gleiche Spiel, wie am Vortag, nur dass nur berühmte Persönlichkeiten enthalten sind. Das ist natürlich für mich etwas schwierig, da sie ja auch Französisch benannt wurden. Der erste, den ich zog war Dumbledore. Ach ja, wir waren auf Pantomime angewiesen. Das ging noch und wurde gelöst. Nach unzähligen, die ich nicht kannte, fand ich Cléopâtre oder Kleopatra zu Deutsch. Ich habe überlegt und es versucht, bin jedoch zu keinem Ergebnis gekommen, die anderen haben es nicht erkannt. Als ich später dann Aristoteles anhand einer seiner Theorien pantomimisch darstellen wollte, haben sie komplett gestreikt. Dabei fand ich es so gut, was ich gemacht habe! Ich musste sie im Nachhinein noch erklären! Aber die kannte ich noch aus der 8. Klasse Ethik! Die hat mich so gefallen, die vergesse ich nicht mehr. Darauf folgten zwei Freistunden, was ganz schön anstrengend sein kann, wenn man einfach nicht mehr weiß, was man machen soll. Nun gut, auch die gingen rum und wir hatten Physik, wo der Lehrer erstaunt war, dass ich ohne großes Tamtam, Mikrosekunden in Sekunden umrechnen kann. Da ist doch nichts dabei! Und er wollte mir ankreiden, dass ich mit Kilometer pro Sekunde gerechnet habe, statt mit Meter pro Sekunde. Aber wenn km/s und km gegeben sind, ist es doch Quatsch das umzurechnen, wenn sich die Kilometer eh wegkürzen! Na ja, ich denk wahrscheinlich anders als er.
Nachdem ich Schulschluss hatte, traf ich vor der Schule auf Thilo, Pierre und Guillaume, die auf dem Weg zum Bus waren. Thilo fragte: ‚Schon aus?’ Und die beiden Franzosen haben es nicht ganz verstanden und sich ihren Reim drauf gemacht und waren etwas geschockt, als ich mit ‚Ja’ antwortete. Denn sie verstanden im Endeffekt, dass ich gesagt hätte, dass Thilo schön aussieht. Aber hässlich ist er nicht, von daher wäre es ja nicht mal gelogen. ;-)
Aber das passiert nun mal, wenn man anderes Vokabular verwendet, als sie in der Schule lernen, Thilo! :-P
Zuhause angekommen entschied ich mich irgendwann doch mal in der Stadt nach Weihnachten zu suchen, wo ich schon am Montag, auf dem Weg zu McDo, vier Hütten, die anscheinend zum Weihnachtsmarkt gehören, gefunden habe. Doch bevor ich mein Augenmerk auf Weihnachten legte, lenkte ich es auf die Nikolausgeschenke, die ich mal besorgen sollte. Aus Ermangelung schöner Tüten, wie ich sie im Internat sonst hab, nahm ich Gefrierbeutel. Sieht zwar primitiver aus, aber es gab nichts anderes. Dann dachte ich, da es in Frankreich nicht so üblich ist, dass die Kinder was vom Nikolaus bekommen, gibt es nicht nur was für die Familie, sondern auch etwas für die Klasse, da wir nur 9 Leute sind, im Moment. Bei voller Besetzung hätte ich mich kategorisch dagegen entschieden, glaube ich. Also habe ich heute abwechselnd Kinder-Schokobons, Bonbons und Erdnüsse in Tütchen gefüllt und diese schön verschnürt. Ich schreibe das auch mal ganz freizügig hierein, denn ich gehe nicht davon aus, dass einer der Betroffenen das hier lesen geschweige denn verstehen wird, ehe Nikolaus ist. Da der gute Mann ja fast ein Namensvetter ist und an dem Tag auch mein Namenstag ist, will ich mich mal dazu nieder lassen, anderen eine Freude zu bereiten! Es ist bald Weihnachten, da denk ich sowieso anders.
Aber zurück in die Stadt. Ich habe ernsthaft noch Weihnachten gefunden! Ob Ihr es glaubt oder nicht! Erst habe ich mich verlaufen, dann wurde es dunkler und ich sah Licht. Licht der Weihnachtsbeleuchtung und ich arbeitete mich die Straßen entlang, die erleuchtet waren und kam letztlich wieder an einen Ort, den ich kannte. Die neue Kirche, von der ich schon mal erzählte! Dort steht nämlich ein Riesenrad, zu dem ich ursprünglich gelaufen bin. Und ein paar Straßen weiter kommt man dann auf den richtigen Weihnachtsmarkt an der Notre Dame. Nicht zu vergleichen mit einem deutschen, denn die verkaufen dort alles. Von Schmuck über Plüschtiere bis zum Holzarmband. In Deutschland ist man ja eher die Erzgebirgsschnitzerein und gebrannte Mandeln gewohnt. Hier läuft man eher Maiskolben, die gegart worden über den Weg. Und letztlich kam ich am Stand der Städtepartnerschaft Rouen-Hannover an und dachte, einfach mal Deutsch zu sprechen, weil Hannover eine deutsche Stadt ist. Nun gut, ich wurde nicht verstanden und er wurde eine Deutschlehrerin, die ihre Zeit an dem Stand verbracht, herangeholt. Sie ergatterte nach einem Gespräch mit mir meine Emailadresse und Handynummer, weil sie mich gern mal für einen Konversationsabend, den sie mit ihren Schülern machen will, heranholen möchte. Es bietet sich natürlich an. Und ich kann dabei auch nur lernen! Sie unterrichtet Erwachsene und keine Kinder, da sie letztes Jahr an 6 Schulen war und 18 Stunden die Woche unterrichtete, also im Schnitt 3 Stunden an jeder Schule hatte und das ist doch etwas komisch. Für eine gebürtige Franzosin spricht sie sehr, sehr gut Deutsch!
Die Vorsuppe fiel heut mit der Hauptspeise zusammen. Es war eine Gulaschsuppe. Komischerweise aber nicht mit dem typischen Gulaschgeschmack. Die Soße war süßlich, das war komisch. Und zum Dessert gab es Plätzchen, wird Zeit, dass ich am Wochenende welche backe, da ich die Plätzchen, die es heute gab nicht mochte, sie waren nicht das, was ich gewohnt bin, glaub ich.

Morgen gehe ich nach der Schule mit Alexis ins Kino, wir gucken die Tribute von Panem Teil 2.

Euch eine gute Nacht und bis demnächst.


Euer Nico. 

Kommentare:

  1. Genau das richtige für halbfünf am Morgen...
    wie lange halten sich gebrannte Mandeln eigentlich in etwa?

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  2. Ich hab keine Ahnung, wie lang sich gebrannte Mandeln halten!
    Hier werden keine verkauft! :o

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